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Keine Angst vor dem iPad

iPad Februar 2010. In der ZEIT-Ausgabe vom 4. Februar beschwört Götz Hamann das bevorstehende Ende des freien Internet-Zeitalters herauf. Grund sei das von Apple jüngst angekündigte iPad – der lang ersehnte Tablet PC, das Apple-MID (mobile internet device), wie auch immer man dieses Genre nennen will. Eine Widerrede von Jan Mittelstaedt.


Der Artikel unter dem Titel "Symbol der neuen Ordnung" beginnt mit der These, dass das Internet als eine Art Kommerz-freies Paralleluniversum vor seinem Ende stehe. Das, was sich die Pioniere dieses Mediums dabei gedacht hätten, sei nun, da das iPad den Markt betrete, dem Tode geweiht. Mit ein paar Geschichten und Zitaten suggeriert Hamann, es sei nun vorbei mit den Zeiten, in denen das Ökosystem Internet als offenere, friedlichere Form des Wirtschaftens und der Kulturproduktion für alle Teilnehmer zur Verfügung stünde. Als ich diese Zeilen las, kam mir ein Plakat in den Sinn, das ich einmal im Büro meines damaligen BWL-Professors gesehen habe. Dort war Karl Marx als Karikatur abgebildet und darunter das "Zitat": "Tut mir leid, Jungs! War halt nur so 'ne Idee von mir...".

Hamann stellt fest, dass "Offenheit nicht mehr das wesentliche Kennzeichen des Internets" sei. Es gehe den Anbietern im Internet vielmehr darum, die Netzsurfer möglichst lange auf ihren Seiten und Angeboten zu binden. Eine erstaunlich nahe liegende Erkenntnis, hinter der sich möglicherweise ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber all denen versteckt, die etwas anbieten und potentiell eines Tages dafür Geld verlangen wollen. Apple wird zwischen den Zeilen als Wolf im Schafspelz dargestellt, der Stück für Stück ein geschlossenes System aufbaut, das sich und seine Inhalte vor den anderen Marktteilnehmern abschottet. Die Wahrheit ist, dass sich Apple die Unfähigkeit der Musikindustrie zunutze gemacht hat, ein ganzheitliches Geschäftsmodell für den Verkauf von Musik über das Internet auf die Beine zu stellen, bei dem die Zielgruppe im Mittelpunkt steht. Der phänomenale Erfolg des iPod in Kombination mit dem iTunes Online Store gab dem einstigen Underdog aus Cupertino recht: Die Menschen wollten für ihre Musik bezahlen, nur eben auf eine praktikable Art und Weise. Und Apple war der erste Anbieter, der seinen Kunden einen ganzheitlichen Ansatz präsentierte, der sie nicht mit den ganzen technischen Hürden alleine ließ.

Das iPhone war die logische Konsequenz und nun folgt eben das iPad. Am Ende entscheidet halt der Markt, welches Produkt die beste Lösung ist. Und genau hier liegt die Stärke von Apple, das eben nicht nur ein Glied, sondern gleich die ganze Kette herstellt: die Hardware, die Software, den Vertriebskanal. Dass dabei nicht alle anderen Anbieter zum Mitmachen eingeladen werden, liegt auf der Hand. Aber dem Autor des ZEIT-Artikels schwant auch für sein Medium, die Zeitung, Böses. Denn, und da liegt er durchaus richtig, Hamann schreibt, dass die Aufbereitung der Inhalte für das iPad mehr ist, als "nur eine Zeitung in eine elektronische Hülle zu gießen". In diesem Mehraufwand sieht er eine Gefahr vor allem für kleine und mittelständische Verlage. Einen Vorschlag für einen Ausweg aus dieser "Problematik" bleibt er jedoch schuldig.

Dass es auch andere Unternehmen gibt, die mit ganzheitlichen Ansätzen beachtliche auf Zielgruppen zugeschnittene Lösungen fabrizieren können, zeigt das Startup ambeeQ , das ebenfalls auf dem Tablet PC Markt aktiv ist und mit seinem System aus Software- und Hardware-Entwicklung kombiniert mit Consulting einen Ansatz fährt, der für Investoren hochinteressant ist. Das alles zeigt, dass die Erde sich auch dann weiter dreht, wenn es einige nicht wollen. Doch ich kann Götz Hamann zumindest eines versprechen: Sobald die ZEIT ein iPad-Abonnement anbietet, werde ich nach Jahren der Abstinenz wieder zugreifen und für qualitativen Journalismus Geld bezahlen. Vorausgesetzt, die ZEIT versteht es, die vielen Vorteile, die sich mir als Leser durch das iPad bieten, zu realisieren. Ich freue mich schon darauf.

Bild: Apple

 
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