In aller Kürze
Lorth Gessler Mittelstaedt ist eine Werbeagentur mit den Schwerpunkten Markenführung, Corporate Design, Multimedia und Filmproduktion in Konstanz am Bodensee direkt neben Kreuzlingen, der Nachbarstadt aus dem Kanton Thurgau in der Schweiz.

@Cetera
Selektive Wahrnehmung
Januar 2009. Mit der Wahrnehmung ist es so eine Sache. Da ist man – in diesem Fall der Schreiber eines anderen Weblogs, der über Konstanz berichtet – von etwas überzeugt und filtert die Nachrichten nach Argumenten, die diese Meinung untermauern. Dabei kann es jedoch vorkommen, dass man (un)bewusst falsch interpretiert.
In unserem Beispiel handelt es sich um die Bodensee-Therme Konstanz, die von besagtem Weblog aufs Korn genommen wurde. Jener Schreiber las in der Zeitung, dass die Zahlen der Therme leicht hinter den Erwartungen zurücklagen und dann, dass eine Erhöhung des Zuschusses nötig wurde. Das war Wasser auf die Mühlen der Nörgler und so hieß es an einigen Konstanzer Stammtischen, man habe es ja schon immer gewusst und überhaupt sei die Therme ein Millionengrab. Wie frustrierend muss derlei ungerechtfertigte Kritik in den Ohren der Macher – allen voran Bäderchef Dr. Geiger – wirken, die uns Konstanzern dieses wunderbare Bad ermöglicht haben. Und wie schön ist es da, wenn man dann einen so optimal verständlich dargestellten und objektiv nicht zu widerlegenden Standpunkt eines Konstanzer Journalisten im Südkurier liest, wie den, den Josef Siebler nun veröffentlicht hat. Wir fanden den Text so gut, dass wir ihn hier mit freundlicher Erlaubnis des Autoren und des Südkurier im kompletten Wortlaut wiedergeben:
Geteilter Spaß
VON JOSEF SIEBLER
erschienen im SÜDKURIER vom 10. Januar 2009
In diesen kalten Tagen suchen die Menschen Wärme. Mancher gönnt sich daher ein Entspannungsbad im wohlig warmen Wasser der Bodensee-Therme. Der Gang in die Sauna ist ohnehin angesagt, nicht nur in Finnland mit seiner arktischen Kälte. Während viele Konstanzer also froh sind, ein modernes Bad am Hörnle genießen zu können, schlägt das Thema politisch nach wie vor Wellen. Überregional wird die Therme in Fachkreisen, in der Architekturszene und bei Wellness-Freunden gelobt. Dessen ungeachtet reißt in der Stadt die Kritik am Neubau und dessen Konzept nicht ab. Aber die erste aussagekräftige Bilanz zeigt, dass die Bodensee-Therme bislang zu isoliert betrachtet wurde. Wer ehrlich ist, muss das gesamte Angebot der Stadt in Betracht ziehen. Langfristig wird sich die Investition am Hörnle auszahlen.
Es ist sicher richtig, eine 26-Millionen-Euro-Investition zu hinterfragen, wenn die Besucher-Erwartungen anfangs nicht erfüllt werden. Doch der Konstanzer neigt dazu, gleich völlig schwarz zu malen. So wurde nach dem schwachen Auftakt gleich das ganze Projekt angezweifelt. In der Folge zog es deutlich weniger Einheimische zum Entspannen ins Thermalwasser. Mancher argumentierte, in Überlingen sei ohnehin alles günstiger – ohne die Fahrtkosten in die Nachbarstadt zu erwähnen. Denn sie gleichen die Ausgaben fürs Parken am Hörnle aus.
Selbst in der letzten Gemeinderatssitzung vor den Weihnachts-Feiertagen kritisierten einzelne Räte das Konzept. Dabei hätten sie eigentlich schon zu diesem Zeitpunkt wissen müssen, dass die Stadt mit dem neuen Bad gut fährt: Der städtische Haushalt wurde insgesamt entlastet. Das wiederum liegt am Gesamtkonzept, für das sich der Gemeinderat vor dem Therme-Bau mehrheitlich ausgesprochen hat. Denn das Badevergnügen wurde aufgeteilt, hier Wellness, dort Spaß: Neben der Bodensee-Therme ist das zur Familien-Einrichtung umgebaute Schwaketenbad ein Publikumsmagnet.
Der Kostendeckungsgrad aller Bäder zusammen hat sich deutlich verbessert. Er lag vor dem Therme-Bau bei maximal 50 Prozent (ohne Kapitaldienst), teilweise aber deutlich darunter. Vergangenes Jahr schnellte er auf 64,1 Prozent hoch. Dabei muss ein weiterer wichtiger Aspekt bedacht werden: Das Defizit musste vor Gründung der Bädergesellschaft aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen werden. Er wird nun durch die Stadtwerke-Tochter entlastet. Der Zuschuss ist durch den Gemeinderat auf 2,9 Millionen Euro jährlich begrenzt worden. Diese Summe wurde 2008 selbst mit der vor Weihnachten gewährten Erhöhung des Zuschusses nicht überschritten.
In der Debatte wird die „gute alte Zeit“ des Jakobsbades gerne verklärt. Doch es war nicht alles eitel Sonnenschein: Das Bad war dringend sanierungsbedürftig. Nach jahrelangem Ringen beschloss die Mehrheit im Gemeinderat schließlich den zukunftweisenden Neubau.
Ein Bad ist immer ein Stück Daseinsvorsorge: Ein Oberzentrum muss den Bürgern Freizeitmöglichkeiten bieten. Bäder dienen der Gesundheitsvorsorge und sind ein Standortfaktor, der für ansiedlungswillige Firmen eine Rolle spielen. Für Konstanz ist das doppelt wichtig, weil es in anderen Bereichen, wie der Verkehrsanbindung, große Nachteile hat. Attraktive Freizeiteinrichtungen sind für den Tourismus wichtig und haben Effekte für den Einzelhandel.
Mit diesen Vorzügen und den Arbeitsplätzen, die sie bieten, sind Bäder ein Wirtschaftsfaktor für eine Stadt, die kaum produzierendes Gewerbe hat. Bäder bleiben dennoch meist ein Zuschussgeschäft – so wie ein Theater oder der Busverkehr, die sich nicht selbst tragen. Kritiker sollten zudem nicht vergessen, dass die Bädergesellschaft die Konkurrenz im eigenen Hause hat: Baderatten müssen für das Vergnügen in den Strandbädern der Stadt nach wie vor nichts bezahlen.
Diesen Text dürfen wir mit freundlicher Erlaubnis des SÜDKURIER veröffentlichen. Vielen Dank.
Zu finden auch unter: http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/art372448,3586649
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